Wer beim Waschen nur ein paar Dinge beachtet, kann seine Kleidung länger nutzen. Foto: Dan Gold, Unsplash

Kleidung nachhaltig waschen – so geht’s

Ob Single oder Familie, ob Stadtmensch oder Landei, alle kommen um eine Aufgabe nicht herum: Wäsche waschen. Im Durchschnitt kauft jeder Deutsche 60 neue Kleidungsstücke im Jahr, die alle sauber gehalten werden wollen. Doch weil das Wäsche waschen bei vielen im Alltag einfach nebenher läuft, fällt die Umweltbelastung oft nicht auf. Wer aber ein bisschen auf seine Wäsche und das eigene Waschverhalten achtet, tut nicht nur seiner Kleidung, sondern auch dem Geldbeutel und der Umwelt etwas Gutes.

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Lerne deine Kleidung kennen und pflege sie liebevoll

Pflegeleicht, Feinwäsche oder Handwäsche – Bezeichnungen, die man unbedingt kennen sollten. Denn damit unsere Kleidung lange ein treuer Begleiter bleibt, müssen wir sie und ihre „Bedürfnisse“ kennen. Deshalb ist, bevor ein neues Kleidungsstück in die Waschmaschine geworfen wird, ein Blick auf das Wäscheetikett unverzichtbar.

Für jeden Stoff und jedes Kleidungsstück gibt es darauf vom Hersteller eine Wasch- und Pflegeempfehlung. Natürlich kann man davon manchmal etwas abweichen, aber in der Regel schützt die Waschempfehlung die Wäsche vor zu starker Belastung durch einen Waschgang in der Waschmaschine.

Auf einem Wäscheetikett findet man unter anderem Hinweise aus welchem Material das Kleidungsstück besteht, zum Beispiel Baumwolle, Viskose, Polyester etc. Außerdem wird die empfohlene Gradzahl angegeben, bei der die Wäsche gewaschen werden darf, ob es sich um pflegeleichte oder Wollwäsche handelt oder ob das Kleidungsstück nur für ein Handwäscheprogramm geeignet ist.

Natürlich ist ein solches Wäscheetikett nicht besonders groß und deshalb werden die Angaben mit Symbolen abgekürzt. Doch kein Problem, wenn du die Bedeutung von Dreiecken, Kreuzen oder Kästchen nicht direkt auswendig kennt. Alle Bedeutungen der sogenannten Textilpflegesymbole findest du hier.

Wer die Augen bereits vor dem Wäsche waschen offen hält, hat viele Jahre Freude an gut gepflegter Kleidung. Denn wenn Wäschestücke immer zu heiß oder zu stark gewachsen werden, nutzen sie sich schneller ab oder gehen irgendwann kaputt. Das ist nicht nachthaltig und deshalb empfiehlt sich immer: lerne deine Kleidung kennen und pflege sie liebevoll.

Das richtige Waschmittel finden

Für jede Kleidung das richtige Waschprogramm zu finden ist eine Sache, die Auswahl des richtigen Waschmittels eine andere.

Herkömmliche Waschmittel enthalten oft Substanzen, die in der Umwelt nicht abbaubar sind oder sie unnötig belasten. Dazu gehören Salze, mit denen Waschpulver gestreckt wird, oder Stoffe wie Polyacrylat.

Doch zu herkömmlichem Waschmittel gibt es mittlerweile ökologische Alternativen. Hersteller wie Sonett oder Ecover haben für jede Wäsche das passende und umweltschonende Waschmittel im Sortiment. Viele ökologische Marken stehen mittlerweile in der Drogerie selbstverständlich neben herkömmlichen Waschmitteln und brauchen sich mit ihrer Waschleistung nicht verstecken.

Einige Marken beliefern auch bereits Unverpackt Läden, in denen die Produkt ohne unnötige Verpackung gekauft werden können. Der große Vorteil: das Waschmittel kann erstmal in einer kleinen Menge getestet werden, bevor eine große Menge in den eigenen Haushalt einzieht.

Foto: Andy Fitzsimon, Unsplash

Waschen mit Efeu, Kastanien und Co.

Doch nicht nur Waschmittel aus der Drogerie oder dem Unverpackt Laden eigenen sich zum Wäsche waschen. Auch die Natur hält für uns eine Reihe von Pflanzen bereit, die sogenannte Saponine enthalten. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die in Kontakt mit Wasser gelöst werden und seifenartige Eigenschaften haben. Dazu zählen zum Beispiel Waschnüsse.

Waschnüsse sind wegen ihrer sanften Reinigungswirkung, der natürlichen Herkunft vom Seifenbaum und ihrem günstigen Preis sehr beliebt. Nach der Anwendung in der Waschmaschine können Waschnüsse einfach kompostiert werden und werden somit in das Ökosystem zurück geführt.

Allerdings wächst der Seifenbaum in Indien, weshalb die Waschnüsse durch den langen Transport eine eher schlechte CO2-Bilanz haben. Zudem sind die Preise durch die hohe Nachfrage der Waschnüsse in Europa so gestiegen, dass viele Inder sich ihre Waschnuss nicht mehr leisten können.

Foto: Yousef Espanioly, Unsplash

Wer natürliches Waschmittel aus Deutschland ausprobieren möchte, sollte deshalb besser auf Efeu oder Rosskastanien als alternatives Waschmittel zurückgreifen.

Die Blätter der Efeupflanze können das ganze Jahr über gesammelt werden. Etwa zehn frische, möglichst dunkle Efeu-Blätter reichen für eine Maschinenladung aus. Die Efeublätter werden einfach in eine Socke gesteckt. Diese wird zugeknotet und mit in die Waschtrommel gegeben. Jetzt kann die Waschmaschine angemacht und losgewaschen werden.

Foto: Elviss Railijs Bitāns, Pexels

Auch Kastanien (nur Rosskastanien, keine Esskastanien!), die im Herbst überall zu finden sind, eigenen sich sehr gut für die natürliche Wäsche mit der Maschine. Die Kastanien werden mit einem Messer oder einem starken Mixer zerkleinert. Die Kastanienstücke kommen in ein Glas, das mit Wasser aufgefüllt wird.

Diese Mischung sollte mindestens zwei Stunden, gerne auch über Nacht ziehen, bis die Flüssigkeit leicht milchig ist. Nach dem Ziehen wird nur das Wasser, das nun die Saponine enthält, in das Waschmittelfach der Waschmaschine gegossen – schon kann die natürliche Wäsche losgehen.

Wer jetzt im Herbst einen Kastanienvorrat anlegen möchte, sollte die Kastanien zerkleinern und vollständig trocknen lassen. Dadurch werden die Kastanien haltbar und dienen trocken und dunkel gelagert bis zum nächsten Herbst als Waschmittel.

Generell sollte bei der Verwendung von Waschnüssen, Kastanien oder Efeu als Waschmittel beachtet werden, dass sie eher für dunkle und bunte sowie nur für leichte bis normal verschmutze Wäsche geeignet sind. Für starke Verschmutzungen braucht es etwas mehr Power und weiße Wäsche kann einen Grauschimmer bekommen.

Alle natürlichen Waschmittel hinterlassen keinen Duft in der Wäsche. Wer sich etwas Duft wünscht, kann einfach ein paar Tropfen ätherische Öle ins Weichspülerfach geben.

Foto: Erik Witsoe, Unsplash

Die Sache mit dem Mikroplastik

Wenn unsere Kleidung frisch und duftend aus der Maschine kommt, sehen wir nur eines: saubere Wäsche. Doch beim Waschen verliert jedes Kleidungsstück immer Fasern. Diese werden mit dem Waschwasser abgepumpt und gelangen so in den Abwasserkreislauf.

Besonders beim Waschen synthetischer Kleidung wird das immer mehr zum Problem. Die mikroskopisch kleinen Plastikfasern der Kleidung, die zum Mikroplastik zählen, können von den Filtersystemen der Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Deshalb landen sie in den Meeren, in der Umwelt und nicht zuletzt durch Nahrungsaufnahme in uns Menschen.

Um Mikroplastik aus der Kleidung zu vermeiden gibt es mittlerweile spezielle Waschbeutel wie den Gyppyfriend, die das Mikroplastik auffangen. Das Mikroplastik sammelt sich nach und nach in den Ecke des Beutels und kann über den Restmüll entsorgt werden.

Natürlich sollte man, um den Gyppyfriend richtig anzuwenden, wissen, welche Kleidung Mikroplastik abgibt: synthetische Kleidung aus Polyester, Acryl, Nylon, etc. verliert Fasern, die zu Mikroplastik werden. Aber woher weiß man, aus welchem Stoff die eigene Kleidung besteht? Da hilft wieder ein Blick auf das Wäscheettiket, womit wir wieder am Anfangen wären.

Lerne deine Kleidung kennen, pflege sie richtig und natürlich und einer lebenslangen Freundschaft mit den eigenen Klamotten steht nichts mehr im Wegen.


Gastbloggerin Anna von „Grün wie Gras“ ist unsere Expertin für das Thema Nachhaltigkeit. Für uns schreibt sie regelmäßig über Inhalte, die ihr wichtig sind: Naturkosmetik, Zero Waste und ein bewusster Lifestyle.

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